





Quartiersmanagement Richardplatz Süd im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Neukölln von Berlin im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Soziale Stadt“
Aktuelle Termine
Aktuelle Nachrichten
Zusammenfassung der ersten Gwerberunde 2012
Das erste Gewerbetreffen 2012 fand am 12. Januar bei "Badkultur Berlin" statt. Die interessierten...
Quartiersrat neu gewählt
Zwischen dem 19. und 26.Januar beteiligten sich insgesamt 72 Bewohnerinnen und Bewohner des...
Informationsabende im "Vätertreff" des Elternberatungscafés "Oase"
AspE e.V. und die Richard-Grundschule laden zu drei Informationsabenden in den "Vätertreff" des...
Aufruf zur Beteiligung am Festival 48 STUNDEN NEUKÖLLN
Vom 15. bis 17. Juni finden die 48 STUNDEN NEUKÖLLN zum 14. Mal statt.
Erfolgreicher Jahresauftakt gibt Schwung für das Jahr 2012
Am 19. Januar fand in der Mensa der Richard-Grundschule der Jahresauftakt des Quartiersmanagements...
Bericht von der öffentlichen Veranstaltung „Kiez im Wandel“
Sigmar Gude vom Stadtforschungsbüro TOPOS stellte am 2. September in der Mensa der Richard-Grundschule vor etwa 70 Interessierten die Ergebnisse der aktuellen Haushaltsbefragung vor.
Dabei konnte er auf eine bereits im Jahr 2007 durchgeführte Befragung zurückgreifen und nun einen Vergleich ziehen (siehe auch Stadtteilzeitung "Richard" #47 und "Richard" #48) In einer gemeinsamen Veranstaltung von Quartiersrat und Quartiersmanagement wurden die Ergebnisse (Sozialstudie Richardplatz Süd - 2010) nun mit den Kiezbewohnern und Akteuren diskutiert. „Die Mieten steigen und es gibt deutlich mehr Studierende im Kiez“, so lassen sich Miet- und Bevölkerungsentwicklung des Wohngebiets südlich des Richardplatzes in den vergangenen drei Jahren zusammenfassen.
Insgesamt ziehen mehr Menschen hierher als weggehen. Mit knapp 12.000 Einwohnern leben nun mehr Menschen im Kiez, als vor ein paar Jahren. Dieses Wachstum lässt bei gleichzeitiger Verkleinerung der durchschnittlichen Haushaltsgröße darauf schließen, dass der Wohnungsleerstand von knapp 12 Prozent um die Hälfte, auf fünf bis sechs Prozent geschrumpft ist. Zugleich ist die Mobilität gestiegen, das heißt, dass die Zahl der Umzüge innerhalb des Kiezes sowie in das und aus dem Quartier gestiegen ist, was dann bei Neuvermietungen häufig auch zu höheren Mieten führt. Vermutlich sei vor allem dies für die insgesamt deutlich steigenden Mietbelastungen der Bewohner im Quartier verantwortlich.
Damit steht der Richardkiez jedoch nicht alleine da, nahezu alle innerstädtischen Bezirke (Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg) nehmen eine ähnliche Entwicklung. Allen gemeinsam ist, dass die Menschen mehr Miete zahlen müssen, obwohl die Einkommen nicht so stark steigen. Den Einwand jedoch, dass die neu zuziehenden Studenten sozusagen der Anfang eines Verdrängungsprozesses durch einkommensstarke Bevölkerungsgruppen zulasten ärmerer, langjähriger Kiezbewohner (Gentrifizierungsprozess) wären, ließ der Stadtsoziologe nicht gelten: „Nicht immer sind Studenten auch ein Zeichen von Gentrifizierung. Es gibt Kieze in Berlin, wo eine starke Mietsteigerung oder der Zuzug zahlreicher Studenten nicht zu einer umfassenden Verdrängung angestammter Bevölkerung geführt habe. Ebenso haben wir auch Stadtteile, die gentrifiziert wurden, ohne dass es größeren Zuzug von Studenten gab“, erklärte Gude.
Wie Reiner Pruchnik, Leiter der Kita in der Magdalenen-Gemeinde und langjähriges Mitglied im Quartiersrat, hierzu bemerkte, seien ihm neben den Studenten all die anderen „Gentrifizierungsverdächtigen“, wie Galeristen, Künstler und Cafébetreiber ebenso willkommen im Kiez, wie die langjährigen Bewohner. Für ihn ist der Zuwachs an Vielfalt eine Bereicherung, die nicht gegen die Langansässigen ausgespielt werden sollte.
Handlungsbedarf bei steigenden Mieten
Dennoch, so die stellvertretende Quartiersratsvorsitzende Marion Wegner, sollte die Entwicklung der Mieten nicht so einfach hingenommen werden; egal wie es zu diesen Steigerungen kam. Sie appellierte an ein breites Bündnis lokaler Akteure und Bewohner, um sich gegen diesen Trend zu stemmen. Hans Joachim Wittnebel, ebenfalls Mitglied im Quartiersrat und in der Neuköllner Bürgerstiftung aktiv, warf die Frage auf, wer denn der Adressat für derartige Aktionen sei. Im Richardkiez würde es seiner Erfahrung nach noch viele Eigentümer geben, die eben auch im Kiez leben. Hier sollte der Dialog gesucht werden. Internationale Immobilienfonds und anonyme Hausverwaltungen seien da schwieriger anzusprechen, dies sei eine Sache der Politik. Viele Veranstaltungsbesucher wünschten sich, dass dahingehend Einfluss auf die im Mietrecht festgeschriebenen Kappungsgrenzen genommen wird, dass es bei Neuvermietungen eine Verringerung der zulässigen Mietsteigerungen gibt.
Es solle verhindert werden, so ein Fazit der Veranstaltung, dass bei der Entwicklung der Mieten und der Bewohnerzusammensetzung ausschließlich die Gesetze des Marktes zur Geltung kommen. Klar erkennbar war der Wunsch, konkret etwas vor Ort gegen weitere Mietsteigerungen zu unternehmen. So könne über eine stärkere Bindung der Kiezbewohner an „ihr“ Quartier darauf hingewirkt werden, dass das Verantwortungsgefühl für das Wohnumfeld steigt und sich Mietsteigerungen durch die sinkende Zahl an Neuvermietungen reduzieren. Auch neue Eigentumsformen (z.B. Mikrokredite, Gründung von Genossenschaften, gemeinnützige Eigentümervereinigungen) könnten konkret im Kiez thematisiert werden. Ziel sei der Erhalt einer bunt durchmischten Mieterschaft aller Einkommensklassen. Dies lasse sich auch auf die Gewerberäume beziehen. Hier sei ausdrücklich nicht die Herkunft des Ladeninhabers relevant, sondern die konkrete Nutzung des Geschäfts.
Dass die Frage danach, welche Entwicklungen gewünscht sind und wie man dies erreichen kann, auch für andere Quartiere interessant ist, zeigte sich auch daran, dass etliche Besucher aus angrenzenden Gebieten kamen.
Den detaillierten Überblick der Untersuchungsergebnisse finden Sie hier. Aktuelles


