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6. Sommerfest auf dem Esperantoplatz – beschwingt – kiezorientiert - weltoffen

Die jamaikanischen Palmen auf dem Plakat versprachen nicht zu viel. Jonny M. begeisterte auch in diesem Jahr die Besucher des Sommerfestes auf dem Esperantoplatz mit Reggae-Musik, und er sang nicht nur in Esperanto, nein auch in Japanisch und Spanisch.

Fotos: Stephanie Piehl

Dazu kommentierte er seine engagierten Lieder in Deutsch und erzählte von seinen Esperanto-Reisen als Sänger. „Dankon al miaj plej bonaj amikoj en la mondo – Danke meinen besten Freunden in der Welt“, sang er und zählte einige auf. Für beschwingte Musik anderer Art am Anfang und am Ende des Festes sorgte Hartmut Mittag mit seiner Ziehharmonika und mittendrin Alexander Danko mit dem Akkordeon.

Mit den Begrüßungsworten der drei Veranstalter Ronald Schindler für die Esperanto-Liga Berlin (ELB), Rolf Kemnitzer für das Interkulturelle Theaterzentrum (itz) und Christian Schaaf für A.-Z-Hilfen Berlin wurden das Fest und die Aktion „Rede Klartext unter der Zamenhof-Eiche!“ eröffnet, und neben schönen Worten über das sonnige Wetter und die herrliche Atmosphäre wurden Probleme auf dem Platz und im Kiez angesprochen.

Bezirksstadtrat Jochen Biedermann, der früher aus seiner Wohnung auf den Esperantoplatz schauen konnte, freute sich, dass der nun zum Ort der Begegnung geworden ist, ging, aber in seinem Grußwort vor allem auf die wachsenden Mietprobleme ein und rief dazu auf, sich an die Mieterberatung zu wenden.

Den interkulturellen Charakter des Festes unterstrich der Auftritt der Direktorin des Polnischen Instituts Berlin, die am Beginn des Festes das traditionelle „Willkommen auf dem Esperantoplatz“ in Polnisch wiedergab: "Witamy na Esperanto-Placu!". Sie hob die besondere Beziehung Polens zum Esperanto und seinem Schöpfer Ludwig Zamenhof hervor, verwies auf bekannte internationale Esperanto-Veranstaltungen in Polen wie das Kulturfestival ARKONES in Pozna? und auf eine Veranstaltung ihres Instituts im Juni dieses Jahres, dem Jahr des Europäischen Kulturerbes, unter dem Thema „Esperanto als Träger der Esperanto-Kultur“.

Dass Polen als Geburtsland des Esperanto gilt, seit 2014 diese internationale Sprache auf der Liste seines Kulturerbes stehen hat und wichtige Beiträge zur internationalen Esperanto-Kultur leistet, wurde auch in der viel beachteten Ausstellung „Esperanto-Kultur im Europäischen Kulturerjahr 2018“ deutlich. Hier wurde gezeigt, wie Menschen, Vereine, Institutionen in vielen Ländern Europas zur Esperanto-Kultur beitragen. Vorgestellt wurden unter anderem Verlage wie „Sezonoj“ in Kaliningrad (Russland) und „Flandra Esperanto-Ligo“ in Antwerpen (Belgien), Schriftsteller und Schriftstellerinnen wie William Auld (Schottland – Großbritannien) und Spomenka Štimec (Kroatien), Organisationen wie der Weltesperantobund (Sitz in Rotterdam – Niederlande) und der Weltverband der Esperanto-Journalisten (Sitz in Wilnius – Litauen), Kultureinrichtungen wie das Esperanto-Museum der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien (Österreich) und das Esperanto-Museum in Svitavy (Tschechien).

Unter den mehr als 100 Besucherinnen und Besuchern des Festes sprachen etwa 20 Esperanto. Es erklangen neben Deutsch auch Spanisch, Arabisch und anderen Sprachen. Man ließ sich im Café den von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von A-Z Hilfen gebackenen Kuchen oder die alkoholfreien Cocktails schmecken, lauschte der Musik  oder informierte sich an den Ständen der Vereine über deren Angebote.

Zum ersten Mal beim Fest dabei war Yopic e.V., ein Verein, der den Besucherinnen und Besuchern des Festes Anregungen für Rezepte ohne Fleisch, für Mülltrennung und für einen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz gab. Am Stand des Quartiersmanagements gab es neben vielen Info-Materialien ein Quiz, das mit dem Kiez vertraut machte. Welche Unterstützung A-Z Hilfen vor allem wohnungslosen jungen Leuten gibt, erklärten Mitarbeiter im Café.

Zum Schmökern in Esperanto-Büchern, zum Blick ins Wörterbuch oder ins Lehrbuch forderte der Esperanto-Stand heraus, an dem der erfahrene Esperanto-Kenner Gerd Bussing Auskunft gab.  Ein Vertreter der zur Europawahl angetretenen Partei „Europa - Demokratie - Esperanto“ (EDE) erläuterte, warum nach seiner Meinung eine gemeinsame Sprache für Europa wichtig ist.

Kinder waren beim Fest sehr willkommen. Viele ließen sich erst einmal am Schminkstand des itz kunstvoll schminken, mancher stürzte sofort zur Buttonmaschine am A-Z-Hilfen-Stand oder lief auf den benachbarten Bolzplatz, um dort mit den Mitarbeitern des AWO-Jugendclubs „Die Scheune“ Ball zu spielen. Mutige Mädchen aus der Löwenzahn-Grundschule traten sogar auf und bekamen viel Applaus für ihren Gesang.

Ab 16.00 Uhr gingen dann Interessierte in der zum Sommerfest geöffneten St-Richard-Kirche auf Entdeckungstour. Frau Patermann beantwortete sachkundig Fragen zur Altarwand, den Gemälden, Reliefs und anderem in der denkmalgeschützten Kirche.

Zur selben Zeit gärtnerten schon andere auf den Grünflächen des Platzes unter Anleitung der Mitarbeiter von Kiez und Natur im Rahmen des Projekts „Empowerment für Umweltbewusstsein“. Pflanzen, Materialien und Werkzeuge standen bereit. Schon eine Woche vor dem Fest war in einer Aktion Unkraut beseitigt und der Platz entmüllt worden, dazu die Bänke gestrichen und mit Grüßen in Esperanto bemalt. Auch die Schrift auf der Erinnerungstafel vor der Eiche wurde erneuert.

Nicht gelungen ist die rechtzeitige Erneuerung des zerstörten Schaukastens, so dass das Informationsplakat zum Platz nur provisorisch angebracht wurde. Es wird aber weiter an einem neuen Schaukasten gearbeitet.

Mit den Finanzen im Rahmen des Programms "Soziale Stadt" des Quartiersmanagements Richardplatz Süd, dem persönlichen Engagement von Anwohnern und Aktiven aus Vereinen und Institutionen und ihrem Teamgeist ist es gelungen auch das 6. Esperantoplatzfest mit seinen Aktionen, Begegnungen und Gesprächen kiezorientiert und weltoffen zu gestalten.

 

Fritz Wollenberg, Esperanto-Liga Berlin